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Dienstag, Juli 14, 2020
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Das Schulsystem auf Ibiza – Wissenswertes auf einen Blick

Wo schicke ich mein Kind am besten hin? Wer mit dem deutschen Schulcharakter vertraut ist, hat oft Mühe, das spanische Schulsystem zu verstehen, denn es ist ganz anders.

Die Insel ist kosmopolitisch. Das gilt auch für die Schulen – viele Schüler sind von internationaler Herkunft. Doch ein guter Teil des Unterrichtes wird an den staatlichen Schulen auf Katalanisch abgehalten. Das sorgt für Diskussion bei den Eltern. Die wichtigste Frage ist: Wird mein Kind – mit Katalanisch – ausreichend auf das Studium und den global ausgerichteten Beschäftigungsmarkt vorbereitet?

Die wichtigsten Fakten zum spanischen Schulsystem im Überblick:

Eine Schule für alle
Während man aus anderen Ländern mehrstufige Schulsysteme mit verschiedenen Niveaus kennt, gibt es in Spanien ausschließlich Gesamtschulen. Schulpflicht herrscht hier bis zum Ende der zehnten Klasse. Mit Vollendung des zehnten Schuljahres erhalten die Schüler einen Abschluss, der mit der deutschen mittleren Reife vergleichbar ist. Danach können sie entscheiden, ob sie ihr Abitur ablegen möchten.

Die vier Stufen der Schulzeit
Bereits kurz nach der Geburt – und normalerweise bis zum Alter von drei Jahren – können die Kinder hier in Kindergärten (Guarderías) betreut werden. Ab drei Jahren können sie dann in die Vorschule (Educación Preescolar) gehen. Dort erlernen sie bis zum fünften Lebensjahr spielerisch Grundlagen in Lesen, Schreiben und Englisch. Mit sechs Jahren kommen sie in die Grundschule (Escuela Primaria). Die Grundschulzeit beträgt sechs Jahre. Danach folgt der Eintritt in die Mittelstufe (Educación Secundaria Obligatoria, kurz: ESO). Diese dauert vier Jahre. Anschließend sind die Schüler zur zweijährigen Oberstufe zugelassen, in der sie ihr Abitur (Bachillerato) ablegen können.

Drei verschiedene Schultypen
In Spanien gibt es drei verschiedene Schultypen: öffentliche Schulen (Escuelas Públicas), private Schulen (Escuelas Privadas) und halbstaatliche Schulen (Escuelas Concertadas, genannt „Concertados“). Sie unterscheiden sich in ihrem Lehrangebot und ihrer Trägerschaft.

Öffentliche Schulen werden vom Staat finanziert und sind verpflichtend an den Lehrplan der balearischen Bildungsbehörde gebunden.

Privatschulen sind staatlich unabhängig und müssen sich nicht nach dem lokalen Lehrplan richten. Die Kosten liegen je nach Schule über 1000 Euro im Monat. An Privatschulen herrscht meist Schuluniform-Pflicht. Ibiza bietet verschiedene Privatschulen, die international ausgerichtet sind.

Halbstaatliche Schulen werden teils staatlich und teils privat subventioniert. Oftmals haben die Concertados kirchliche Träger, weshalb sie dann meist katholisch ausgerichtet sind. Es sind oft ehemalige Privatschulen, die mit der Bildungsbehörde kooperieren. Häufig verfügen sie in Bezug auf Schulfächer und Aktivitäten über ein breiteres Angebot als öffentliche Schulen. Sie richten sich grundsätzlich nach dem offiziellen Lehrplan, haben allerdings mehr Gestaltungsfreiheiten. Halbstaatliche Schulen erheben ein deutlich geringeres Schulgeld als Privatschulen. Auch bei einigen Concertados gibt es Schuluniformen.

Wie lange dauert der Unterricht?
Im Schnitt beginnt der Unterricht bis zur sechsten Klasse um neun Uhr (danach ab acht Uhr) und geht bei den öffentlichen Schulen, je nach Stufe, bis 14 Uhr, bei den Concertados und privaten teils auch bis 17 Uhr. Das liegt daran, dass diese Schulen Mittagessen und betreute Hausaufgabenzeiten anbieten.

Wie viel Katalanisch wird gesprochen?
Der Lehrplan hat sich häufig geändert. Anfangs war Spanisch die offizielle Unterrichtssprache. Danach folgte eine Regelung, bei der je ein Drittel auf den Sprachen Spanisch, Katalanisch und Englisch unterrichtet wurde. Dann schrieb der Lehrplan der Balearen ein Minimum von 50 Prozent für Katalanisch als Unterrichtssprache vor. Änderungen sind ständig möglich, was viele Eltern verunsichert. Selbst komplizierte Fächer wie Mathematik oder Fremdsprachen können auf Katalanisch durchgeführt werden, was das Verständnis des Fachinhaltes zusätzlich erschwert. Spanisch und Englisch sind zusätzlich Pflichtsprachen im Unterricht.
Das dominant Katalanische sorgt auch auf anderen Ebenen für besorgte Eltern: Viele können ihren Kindern kaum bei den Hausaufgaben helfen. Und kapselt man sich so nicht vor der internationalen Welt ab, in der Wert auf Weltsprachen gelegt wird?
Unbestritten ist, dass Katalanisch die offizielle Sprache der Balearen ist. Es ist wichtig, dass sie nicht verloren geht, gehört zur Integration auf den Inseln, sie zu beherrschen. Und Kinder lernen Sprachen wesentlich einfacher als Erwachsene.
Es wird aber auch ständig an der Erweiterung des Fremdsprachen-Angebotes gearbeitet. Dazu zählen Französisch oder Deutsch.

Wie wird der Abschluss anerkannt?
Eine Frage, die viele Eltern beschäftigt, ist: Wie ist später der Abschluss anerkannt und wo kann mein Kind damit studieren? „Überall“, so das Bildungsministerium. „Es gibt keinerlei Probleme, mit einem spanischen Schulabschluss europaweit und international zu studieren“. Der Abschluss wird somit auch in Deutschland anerkannt. Studiert man außerhalb Spaniens, wird die Abschluss-Note von der jeweiligen Universität auf das eigene Notensystem umgerechnet.
Auf Ibiza gibt es übrigens einen Ableger der Universität der Balearen (Universitad de les Illes Balears, kurz: UIB) mit Hauptsitz auf Mallorca. In Eivissa kann man zum Beispiel Jura, Wirtschafts-Management, Soziale Arbeit, Vorschul- und Grundschullehramt, Tourismus und Krankenwesen studieren.

Wie schreibe ich mein Kind ein?
In Spanien werden die Kinder nach Geburtsjahr eingeschult. Jedes Kind wird in dem Jahr eingeschult, in dem es drei Jahre alt wird. Dabei ist egal, ob es im Januar oder Dezember geboren wurde. Das neue Schuljahr beginnt jeweils im September.
Möchte man sein Kind einschulen oder für die Mittel- wie Oberstufe anmelden, geht man in der Einschreibungszeit persönlich zu der Schule seiner Wahl. Dort werden Angaben zum Wohnort und der Einkommenssteuer der Eltern, so wie zu einer zweiten Wunsch-Schule gemacht. Die Schulen werten dann in Kooperation mit dem Bildungsinstitut nach einem „Punkte-System“ aus, wie die Kinder auf die Schulen verteilt werden. Dabei gilt: Je näher man an der Schule wohnt, desto wahrscheinlicher ist es, dort angenommen zu werden. Auch das Einkommen der Eltern spielt eine Rolle: Kinder aus weniger reichen Familien werden wegen der Fahrtkosten an der näheren Schule bevorzugt. Auch jene Kinder, die bereits Geschwister auf der Schule haben, haben einen Vorteil. Für all diese Kriterien werden Punkte verteilt. Ist die Punktzahl zu gering für die Erstwahl, wird versucht, die Kinder bei der Zweitwahl unterzubringen. Klappt auch das nicht, weist das Bildungsinstitut den Kindern unter möglicher Berücksichtigung der Wunschkriterien eine Schule zu. Man kann sich insgesamt bei maximal fünf verschiedenen Schulen seiner Wahl einschreiben.

Die Einschreibung für die Dreijährigen beginnt normalerweise Ende April. Die Einschreibung für die Mittelstufe (ESO) meist im März, die für das Abitur im Juni. Die Eltern haben etwa zwei bis drei Wochen Zeit, ihre Kinder registrieren zu lassen. Für die Anmeldung zum Abitur bleibt im Allgemeinen weniger Zeit – etwa drei bis fünf Tage im Juni. Die genauen Daten zur Einschreibung werden gewöhnlich Anfang März bekannt gegeben.
Online können Sie unter dem Stichwort „escolarizacion.caib“ die Schulseite der Regierung mit vielen aktuellen Informationen finden.

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