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Ibiza-Stadt
Mittwoch, September 23, 2020
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Dem Himmel ein Stück näher …

… und das gleich in mehrerlei Hinsicht. Es gibt wohl kaum eine schönere Art abzuheben, als per Ballon auf Ibiza. Ganz besondere Hochgefühle… Pia und Thomas Abholte stiegen in den Korb.

Sie kennen Ibiza zu Lande, sicherlich auch zu Wasser – und ganz sicher aus der Luft, im Schnelldurchgang beim Landeanflug. Aber wie schön die Insel wirklich von oben ist, wenn man sie hautnah erlebt, schwebend, im offenen Korb, in absoluter Stille. Das ist ein ganz besonderer Luxus. Und der ist sogar erschwinglich.

„Ibiza en Globo“ bietet Ballonfahrten – Ballone fliegen nicht, sie „fahren“ – über die Insel. Ganz intim zu zweit oder mit Freunden in der Gruppe. Egal zu welchem Anlass, das Erlebnis bleibt ewig im Gedächtnis.

Unser Tag beginnt früh. Sehr früh. Der Freund der Ballonfahrer ist der Morgen, wenn der ungeliebte Wind noch schläft. Oder der Abend, wenn der Wind wieder einschläft. Wir haben die Sonnenaufgangs-Fahrt. Und so ist es noch dunkel, als wir uns mit dem Piloten José und seiner Frau Francesca am Parkplatz bei der Messehalle von Eivissa treffen. Im Geländewagen mit kleinem Anhänger holen die beiden uns ab. „Alles, was wir brauchen, ist da drinnen“, begrüßt uns der Spanier. Ungläubigkeit bei uns – ein Ballon, groß wie ein Haus, Brenner mit meterhohen Flammen, Passagierkorb… Aber klar – das meiste ist ja letztendlich heiße Luft. Ein Luftballon passt leer ja auch in jede Streichholzschachtel.

Ballonfahren hat noch was von Pionier-Luftfahrt. Und so wird auch der Startpunkt ohne High-Tech-Schnickschnack eher rustikal festgelegt. In Sant Rafel stoppt José den Wagen, das erste Licht des Morgengrauens schleicht sich über den Horizont. José füllt einen Luftballon mit etwas Helium und lässt ihn los. Ich spüre gar keinen Luftzug. Der Ballon schon. Langsam treibt er Richtung Westen. „Sant Llorenç“ sagt José mehr zu sich selbst als zu mir.

Eine gute viertel Stunde später biegt das Gespann auf ein Feld vor dem Ort im Nord-Osten der Insel. Das Ballonfahrer-Duo zaubert das aus dem Anhänger, was sich vor unseren Augen zu einem großen Abenteuer entfaltet: Ein Sack beherbergt die Ballonhülle aus hauchdünnem Nylon-Gewebe. „Hat immer gehalten, wird auch diesmal halten“, schießt es mir durch den Kopf, als ich den feinen Stoff befühle.

Dann kommt der Korb… Knapp ein Quadratmeter Fläche mit Platz für maximal vier Personen inklusive Pilot, drei Gasflaschen und Rettungs-Seil, das – so versichert José – noch nie gebraucht wurde. Für größere Gruppen hat José noch einen Ballon und Korb für bis zu sechs Personen plus Pilot.

Schnell ist der Brenner im Korb angeschlossen. Unter martialischem Fauchen schießt José ein paar Teststöße in den Morgenhimmel. Im Hintergrund lugt inzwischen die Sonne über die Wipfel. Wow…
Beim Füllen der Hülle ist Teamwork gefragt. Ein Hochleistungs-Ventilator bläst Luft in die schlaffe Hülle. Pia und ich halten die Öffnung auf, während José und Francesca den Stoff auseinanderziehen und darauf achten, dass er auf dem Feld nicht an Steinen oder Zweigen einreißt. Als der Ballon zu drei Vierteln aufgeblasen ist, schmeißt José den Brenner an. Die Luft muss erhitzt werden, damit sie Auftrieb generiert. Langsam hebt sich die Hülle, der Korb richtet sich auf. Und dann muss alles ganz schnell gehen.

Alle an Bord! Die aufgeheizte Luft bläht den Ballon voll auf und will nach oben. Wer mit möchte, muss jetzt einsteigen.

Nur gut hüft-hoch reicht der Korb. Erstaunlich schnell löst er sich vom Boden und steigt auf. Der Bauch kribbelt. Obwohl ich eigentlich keine Höhenangst habe, halte ich mich gut fest – die Tiefe „zieht“…
Francesca wird unter uns immer kleiner. Sie wird uns verfolgen und dort wieder aufsammeln, wo der Wind uns hin treibt.

Das Naturerlebnis ist atemberaubend. Nichts trennt uns von der Welt um uns. Außer den gelegentlichen Feuerstößen und dem Piepen des Höhenmessers ist es absolut still. Kein Lüftchen ist zu spüren, der Ballon schwebt – fährt – mit der Geschwindigkeit des leichten Windes. Und der Blick…

Die Sonne taucht alles in goldenes Licht. Die langen Schatten zeichnen spielerische Muster aufs Land. Wir sehen Eivissa, Portinatx, Sant Antoni und Santa Eulària. Die ganze Insel liegt uns zu Füßen. Und jenseits ihrer Ufer schimmern Formentera, Mallorca und das Festland bei Dénia im Dunst.

Bis auf über 500 Meter Höhe steigen wir. Solange der Wind noch schwach ist und uns in die richtige Richtung treibt, können wir weit oben bleiben. Doch rechtzeitig bevor das Ufer erreicht ist, sinken wir ab. In verschiedenen Höhen wehen verschiedene Winde, manchmal in komplett andere Richtungen. José kennt sich aus. Ein paar Meter hoch, dann wieder einige runter.

Entlang der mit Pinien bewaldeten Hügel fahren wir Richtung Sant Miquel. Manchmal 300 Meter hoch, manchmal können wir fast die Blumen auf den Feldern abpflücken, so dicht schweben wir über dem Boden. Vorbei an uralten Fincas und über weiß strahlende Luxusvillen hinweg. Knapp eine Stunde sind wir in der Luft.

Über Funk ist José ständig mit seiner Frau verbunden. Jetzt hat er seinen Landeplatz gewählt. Eine Fläche neben einem Feldweg. Es ist erstaunlich, wie genau unser Pilot den Ballon allein durch das Wechseln der Höhe manövrieren kann. Nur wenige Meter neben der Piste setzen wir auf. Auch Francesca hat ihr Gespann dort hingesteuert.

Es dauert nur gut zehn Minuten, bis der Ballon wieder verstaufertig ist. Doch bevor wir wieder in den Wagen steigen, steht die Ballonfahrertaufe an. José streut uns Erde über den Kopf und begießt die Taufe mit ein paar Tropfen Cava über unseren Häuptern. Der Rest kommt in Gläser und wird seiner eigentlichen Bestimmung zugeführt. Wir müssen uns Luftfahrernamen ausdenken. Ich wähle Pinguin… Gut im Wasser, aber fliegerisch eine Niete.
Einen so schönen Morgen lässt man nicht schnöde enden. Es ist inzwischen Frühstückszeit. José und Francesca fahren mit uns in die berühmte Bar Costa, die Schinken-Bar von Santa Gertrudis. Wir sitzen entspannt zusammen, genießen den Morgen und lassen das Erlebte wirken…

Was ich besonders schön finde: Ibiza hat so viel zu bieten. Vieles jenseits des glamourösen Jet-Set-Lebens. Und bezahlbar. Wobei: Ein solcher Tag ist unbezahlbar – nicht monetär gesehen…

Kompakt-Info: Ballonfahren auf Ibiza

„Ibiza en Globo“ bietet Fahrten für bis zu sechs Passagiere an.

Die Gesamtdauer vom Abholen bis zum wieder Abliefern am Treffpunkt oder Hotel beträgt rund drei Stunden.

Im Preis enthalten sind: Fahrt vom Treffpunkt oder Hotel zum Startplatz und zurück, Ballonfahrt, Cava für die Ballonfahrertaufe, Taufzertifikat und Frühstück.

Es gibt verschiedene Angebote, von der Gruppen-Fahrt bis zur Exklusiv-Fahrt für zwei Personen oder der Sonnenuntergangs-Fahrt für zwei Personen, inklusive Moët & Chandon Champagner und Aperitif.
Die aktuellen Preise entnehmen Sie bitte der Webseite des Anbieters: www.ibizaenglobo.com

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