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Sonntag, September 20, 2020
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Detox – Mythos oder Wahrheit?

Pünktlich zum Sommer, wenn der Diät-Hype etwas abgeebbt ist, überrollt uns die „Detox“-Welle: Raus mit den Giften aus unserem Körper. Und zwar mit Hilfe jeder Menge Produkte, die teuer bezahlt werden wollen. Aber was bringen die wirklich? Pia Abholte schaut genau hin.

Apotheke, Reformhaus, Bio-Laden – sogar im Supermarkt ist „Detox“ besonders jetzt wieder ein großes Thema. Klar, die seit Monaten lange Winter-Dunkelheit und die Sünden der Festtage machen uns empfänglich für positive Veränderungen. Gründe warum uns die Detox-Produkte gut tun würden, werden dementsprechend viele genannt – feinere, straffere Haut, mehr Energie, bessere Verdauung und ganz allgemein mehr Wohlbefinden. Die Produkt-Vielfalt ist riesig und gefühlt wächst sie jedes Jahr. Vom teuren Pulver über spezielle Tees bis hin zu ganzen Saft-Kuren sind die Versprechen groß. Es klingt ja auch zu schön, um nicht wahr zu sein: ein paar Tage nur Saft oder Tee trinken und du bist „gedetoxt“, „entgiftet“ – und sollst dich wie neugeboren fühlen. Oder umgekehrt: Ohne geht es unter Umständen stetig bergab mit der Gesundheit.

Doch von was man sich „detoxen“ soll, wird häufig nicht genau erklärt. Oft ist die Rede von allen möglichen Giften (Toxinen) aus unserer Umwelt, der aufgenommen Nahrung oder durch Genussmittel, wie beispielsweise Alkohol, die sich in unserem Körper ansammeln und langfristig schaden können. Häufig wird auch von „Schlacken“ gesprochen, die unsere Organe und unser Bindegewebe belasten bzw. verstopfen.

Mit Hilfe der Detox-Produkte sollen diese dann ausgeleitet werden. Und oft kommt es einem auch tatsächlich so vor als würde man entschlacken. Denn viele Produkte fördern die Ausscheidungen zum Beispiel durch Anteile harntreibender Pflanzen wie Brennnessel, Birke oder Löwenzahn – oder Stoffen, die abführend wirken. Bei Erkrankungen oder Medikamenten-Einnahme sollte daher auch vor einer geplanten Kur immer besser mit dem Arzt gesprochen werden.

Grundsätzlich sollte man jedoch vor dieses ganze Thema und den wirklichen Effekt dieser allgemeinen Kuren ein Fragezeichen setzen. Auch betonen Experten immer wieder, dass es diese sogenannten „Schlacken“ im Körper nicht gibt.

Klar hiervon abzugrenzen, sind mögliche Giftanreicherungen im Körper, sowie medizinisch notwendige Maßnahmen und Maßnahmen die bei akuten Vergiftungen durch zum Beispiel Alkohol, Medikamente & Co zum Einsatz kommen müssen.

Im Allgemeinen „reinigt“ sich ein gesunder Organismus bei gesunder Lebensführung selbstständig, sofern keine außergewöhnlichen Belastungen auftreten. Dafür zuständig sind unsere Ausleitungs-Organe: hauptsächlich die Leber, die Nieren und der Darm. Und die leisten großartige Arbeit.

Die Leber hat viele Aufgaben. Sie ist das zentrale Organ unseres Stoffwechsels und verantwortlich für die Verarbeitung von Fetten, Kohlenhydraten und Proteinen. Sie speichert Vitamine und produziert Gallenflüssigkeit. Außerdem spielt sie bei der „Entgiftung“ eine wichtige Rolle, indem sie verschiedenes, potenziell Schädliches für uns unschädlich macht, damit es dann ausgeschieden werden kann.

Die Nieren haben ebenfalls mehrere Aufgaben. Hauptaufgabe ist aber die Blutreinigung und die Ausleitung von Urin. Sie reinigen das Blut von schädlichen Substanzen und leiten diese dann über die Harnwege in Form von Urin aus. Sie sind also maßgeblich mit an der Entgiftung beteiligt.

Auch unser Darm spielt eine Rolle, wenn es um die Ausscheidung geht. Und zwar nicht nur um die Ausscheidung von Nahrungsmittelresten, die nicht aufgenommen wurden, sondern auch um die Ausscheidung unschädlich gemachter Stoffe aus der Leber, die über den Gallengang in den Dünndarm gelangen, um dann ausgeschieden zu werden.

Je besser unsere Ausleitungs-Organe funktionieren, desto effektiver kann unser Körper entgiften. Aber in wie weit dafür teure Zusatzprodukte nötig sind, ist fraglich. Außerdem sollte eine Unterstützung nicht nur kurz in Form einer Saftkur oder ähnlichem sein, sondern langfristig.

Optimal helfen können wir unserem Organismus mit einer ausgewogenen und gesunden Ernährung mit viel frischem Gemüse und Obst, ausreichend Bewegung und genügender Flüssigkeits-Aufnahme, maßgeblich in Form von Wasser. In vielen IbizaHEUTE-Ausgaben des vergangenen Jahres finden Sie abwechslungsreiche Anregungen sowie Rezepte.

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