Editorial von Dieter Abholte: Wie ich es sehe…

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Liebe Leser,

Ibiza und Formentera dürfen wieder Gesicht zeigen. Jedenfalls, was die Masken angeht, die ja korrekt Mund-Nasenschutz heißen. Warum das so ist, habe ich nie begriffen. Vielleicht liegt es ja an dem Argument: Mit Masken überfällt man Banken – mit Mund-Nasenschutz schützt man Mund und Nase. Wie dem auch sei: Seit gestern brauchen wir in der Öffentlichkeit keine Maske mehr, wenn ein Sicherheits-Abstand von 1,50 Metern eingehalten werden kann. In den Geschäften und Restaurants braucht man dann die Masken weiter – ich habe keine Lust mehr auf das lange andere Wort.

Ich muss gestehen, nach den vielen Monaten Maskerade gefällt mir die neue Situation, aber manchmal verwirrt sie mich. Ich war zum Einkaufen. Im Auto natürlich keine Maske, beim Aussteigen schon wieder hinter die Ohren geklemmt – ganz automatisch – bis mir unmaskierte Leute entgegenkamen. Wieso tragen die keine Maske? Ach ja, ist doch nicht mehr nötig! Aber für die höchstens noch 20 Schritte bis zum Laden lasse ich sie an.

Drinnen dann am Gemüsestand verkehrte Welt. Da hatte ein junges Paar etwas falsch verstanden. Bei ihnen baumelte die Masken am Kehlkopf, die wurden hochgezogen, als sie den Laden verließen. So ist das halt mit neuen Bestimmungen. Sie brauchen ihre Zeit, um anzukommen. Natürlich sagt die Logik: draußen an der frischen Luft keine Maske, drinnen Maske! Aber bei dem vielen Hin und Her, das wir im vergangenen Jahr erlebt haben, verwundert nicht mehr viel.

Ich habe sie nur mal heruntergezogen, um an der Tomate zu schnuppern, ob sie auch nach Tomate riecht (habe ich auch gekauft!). So wie früher, als die Tomate noch vom Feld kam. Nein, so schön rund und makellos rot wie die aus dem Supermarkt waren sie nicht. Auch nicht so sauber. Eher groß, urig, mit Einkerbungen, in denen manchmal noch ein bisschen rote Ibiza-Erde hing – aber der Geschmack. Köstlich! Warum opfern wir eigentlich der Optik den Geschmack? Wir haben zum Glück unseren Nachbarn, der irgendwo seinen Nutzgarten hat und uns gern ein paar seiner Tomaten abgibt. Und einige Buden mit Gemüse von der Insel gibt es auch noch…

Warum schreibe ich von Masken und Tomaten? Weil ich mich zurzeit nicht mit Problemen beschäftigen möchte, die uns einholen können und mit dem harmlosen Wort „Delta“ bezeichnet werden. Das muss aber eine ganz üble Sorte Corona sein! Denn Hunderte von Menschen infizierten sich auf einer Fähre, auf der Schüler vom Festland von den Inseln zurück nach Dénia fuhren. Die vier Stunden Überfahrt reichten, um alle Passagiere anzustecken. Anderswo zeigten Überwachungs-Kameras, dass zwei Menschen nur aneinander vorbeigingen, danach waren beide infiziert, weil einer Corona hatte. Wohlgemerkt: ohne jede Berührung, ohne jede Unterhaltung.

Wie gefährlich „Delta“ wirklich ist, wird sich noch zeigen. Jedenfalls macht Deutschland für Rückkehrer aus Delta-Virus-Gebieten wie Portugal dicht und ordnet an: Bei Rückkehr 14 Tage Quarantäne! Gehört nicht auch Großbritannien zu den Ländern, wo Delta schon die meist nachgewiesene Corona-Mutante ist? Ja, gehört es! Und warten die Balearen nicht händeringend auf englische Touristen? Ja, sie warten…­!

Aber, wie gesagt, ich möchte mich heute einfach nicht mit diesem Problem beschäftigen und nur Ibiza genießen. Es ist in diesen Tagen wunderschön.  Die Sonne scheint, der Wind von See ist noch so frisch, dass er die Haut kühlt. Meer und Himmel sind von diesem fast unwirklichen Blau, wie man es nur auf unseren Inseln findet. Der kühle Wein lässt die Gläser beschlagen, was ich immer toll finde. Dazu die Abende, die die Hitze des Tages verdrängen und zu ein paar Tapas in den Kneipen der Altstadt-Gassen einladen, zum Essen im Garten-Restaurant oder zum Cocktail an einer Strandbude.

Genießen wir das Leben, das wir zurückhaben. Ohne Masken draußen am Strand mit Freunden oder beim Bummeln zu zweit – aber bitte mit der nötigen Vorsicht! Der Sommer auf Ibiza und Formentera ist zu schön, um ihn im Krankenzimmer oder der Klinik zu verbringen. Das gilt natürlich auch für den Sommer anderswo…

Herzlichst Ihr Dieter Abholte