Editorial von Dieter Abholte – Wie ich es sehe…

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Dieter Abholte

Liebe Leser,

heute ist Sonntag, der 6. Dezember – Nikolaustag und zweiter Advent. Auf Ibiza und Formentera scheint die Sonne, aber auch Wolken ziehen auf, dazu ein kräftiger Wind aus West. Das Wetter wird heute durchwachsen werden: Acht Sonnen-Stunden, bis 15 Grad im Schatten, Regenwahrscheinlichkeit 10 Prozent meldet der Wetterdienst.

Es ist ein langes Wochenende in Spanien. Montag und Dienstag sind Feiertage, die Menschen haben also vier Tage frei – im ganzen Land. Und das schreit ja förmlich nach einem Kurz-Urlaub auf Ibiza oder Formentera. Zwar raten Spaniens Zentralregierung und die Regierung der Balearen in seltener Einigkeit in Corona-Zeiten nicht zu reisen. Aber allein Palma als Haupt-Anflughafen erwartet in den vier freien Tagen 434 Starts und Landungen, was einem Passagieraufkommen von rund 60.000 Menschen entspricht.

Ganz schön viele für ein Land, wo man eigentlich zu Hause bleiben und Kontakte mit anderen vermeiden soll. 376 dieser Maschinen sind Inlandsflüge, 58 Auslandsflüge. Was etwa bedeutet: 9000 Passagiere kommen aus dem Ausland oder fliegen dorthin, 51.000 – also der extrem größte Teil – kommt vom spanischen Festland auf die Balearen (Inlandflüge).

Die aus dem Ausland müssen den gültigen PCR-Test vorlegen und nachweisen, dass sie nicht an Corona erkrankt sind. Die Passagiere der Innlandflüge (zur Erinnerung: 51.000) müssen es nicht. Zwar fordert die Balearen-Regierung in Palma für die Inseln Ibiza und Formentera, Mallorca und Menorca einen Test für alle Besucher – aber die Zentralregierung in Madrid sagt nein. Ihr Argument: Da ja wegen der Ausgangssperre die Menschen in Spanien nicht reisen sollen/dürfen, würden ja nur wenige Menschen die Balearen anfliegen – und so sei das Risiko einer Corona-Infektion durch sie gering…

Wie bitte? Sind 51.000 Passagiere wenige! Geht’s noch, Ihr verantwortlichen Politiker in Madrid?! Bekämpfungen einer Pandemie sollten oberstes Gebot sein – und Vorsichtsmaßnahmen für alle oder niemand gelten.

Es kommt noch besser: Um ein wenig Sicherheit zu gewährleisten, wenigstens optisch, beschloss daraufhin die verzweifelte Balearen-Regierung, dass Heimkehrer vom Festland, die auf unseren Inseln ihre Familie besuchen, kostenlose PCR-Tests machen dürfen. Freiwillig! Das wurde dann auch in großen und teuren Werbeaktionen in vielen spanischen Zeitungen kundgetan.

Nun haben Kollegen der Tageszeitung „Diario de Ibiza“ am Samstag, also dem ersten Tag für einen Kurzurlaub oder Familienbesuch über das lange Wochenende, ankommende Passagiere auf dem Flughafen Ibiza befragt. Sie wollten wissen:  Wo sie herkommen? Ob sie einen Corona-Test machen wollen? Weshalb sie kommen? Und ob sie auf dem Abflughafen oder hier auf dem Ibiza-Airport in Corona-Zeiten nach dem „wichtigen Grund“ der Reise befragt wurden. Die Antworten sind schon ein Stück Realsatire, wenn das Thema nicht so ernst wäre.

Befragt oder kontrolliert? Fehlanzeige, nada! Nein, besuchen wollten sie eigentlich niemanden, erklärten ein paar jüngere Frauen, aber ein paar Tage Urlaub machen! Eine gestand sogar, dass sie ein bisschen Ibiza-Wahnsinn erleben möchte. Daraus wird wohl nicht viel bei den Corona-Auflagen der Insel mit geschlossenen Clubs und Kontaktverbot in den Bars.  Ob sie den kostenlosen Corona-Test machen möchten? „Nie davon gehört“, war die meiste Antwort. Oder: „Ja, mache ich aber privat!“ (wer es glaubt, wird selig)! Und – nachvollziehbar–: „Warum soll ich den Test machen?! Bis ich das Ergebnis habe, fliege ich ja schon wieder weg. Bis der Corona-Test nachweist, dass ich krank wäre, hätte ich bis dahin ja schon meine halbe Verwandtschaft angesteckt!“

Ich denke, dem ist nichts hinzuzufügen und zeigt die Unbeholfenheit bis hin zu nicht nachvollziehbaren Entscheidungen der Politik in Spanien auf.

Aber ist das nur so in Spanien? Wenn ich mir in den Nachrichten und diversen Sondersendungen den Corona-Hickhack in Deutschland ansehe, denke ich, dass Spanien nicht allein dasteht…

Ich wünsche Ihnen und uns allen – wo immer Sie auch sind – einen schönen zweiten Advent und einen guten Start in die Woche. Bleiben Sie gesund und verzweifeln Sie nicht…

Ihr

Dieter Abholte