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IBIZA Premium Editorial von Marcel Brunnthaler: Wie ich es sehe…

Editorial

Auch das ist Ibiza: Ruhe, Weite, Abgeschiedenheit. Das Ibiza, das IbizaHEUTE-Chefredkteur Marcel Brunnthaler so sehr liebt (Foto: Marcel Brunnthaler)

IbizaHEUTE-Chefredakteur Marcel Brunnthaler (Illustration: Thomas Ardelt, Artcommando)

Liebe Leserinnen und Leser!

„Wie empfindest Du die Insel aktuell?“ hat mich eine Freundin gefragt, die schon seit über zehn Jahren nicht mehr auf Ibiza gewesen ist. Aus Mannheim verfolgt sie Dieter Abholtes und meine Editorials und träumt sich über Instagram zurück auf die Insel. Die Insel, die bei ihr einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat und sie nicht mehr loslässt. Auf Facebook verfolgt sie auch die Diskussionen darüber, dass alles so teuer geworden ist und wie sich die Insel verändert. „Lohnt es sich zu kommen?“ zweifelt sie. „Unbedingt! Ibiza ist immer eine gute Idee!“ ist meine ebenso lapidare wie einhundert Prozent ehrliche Meinung. Ich selbst „pendle“ ja zwischen München und Ibiza und bin seit Freitag wieder hier. Und nach einem bereits extrem vollen April und Mai habe ich tatsächlich Sorge gehabt, was mich erwarten würde. Und ich muss sagen: Auch wenn Ibiza jeden Tag eine andere und manchmal durchaus auch bedenkliche Seite zu offenbaren weiß, so ist und bleibt Ibiza die für mich aufregendste und schönste Insel der Welt. Auch jetzt wieder, zu Beginn der Hauptsaison – die sich gar nicht noch voller anfühlt als sonst. Nachdem sich Dieter Abholte letzte Woche (absolut zurecht!) sehr kritisch mit sehr bedenklichen Entwicklungen insbesondere für die auf Ibiza lebenden und arbeitenden Menschen auseinandergesetzt hat, verfasse ich heute eine kompromisslose Liebeserklärung an Ibiza. Auch wenn die Welt nicht schwarz/weiß ist – Ibiza ist die Isla blanca! Ibiza ist die Eine, die Beste, die Bezauberndste, die Unvergleichliche. Ibiza ist die Liebe meines Lebens.

Natürlich ist Ibiza teuer, das lässt sich nicht leugnen. Trotzdem geht Ibiza aber auch günstig (siehe die elf Tipps der Redaktion im aktuellen Magazin). Natürlich sind die Exzesse mancher Reichen, Neureichen und Möchtegernreichen pervers. Es gibt aber genügend Orte auf der Insel, wo sich davon unbeeindruckt Einheimische, Residenten, Aussteiger und Urlauber respektvoll begegnen und die beste Zeit ihres Lebens verbringen. Natürlich ist es schlimm, wie manche Menschen den Wohnungsmangel schamlos ausnutzen und absurde Preise für ihre Unterkünfte verlangen. Das ist aber kein Ibiza-Phänomen – dass sich der Anstand dem schnellen Geld unterordnet, erlebe ich beim Thema Wohnungsmarkt in München genauso. Natürlich ist es verrückt, was sich die letzten zwei Jahre am Mietwagenmarkt getan hat. Aber auch das ist kein Ibiza-Phänomen und hat andere Gründe. (Und hier die gute Nachricht: Die Preise sinken gerade und haben beinahe wieder Vor-Pandemie-Niveau erreicht.) Natürlich verändert sich die Insel. Es liegt aber an uns, in welche Richtung – davon bin ich überzeugt.

Ja – Ibiza erlebt gerade (mal wieder) einen ganz besonderen Hype, der neue Superreiche und eine neue, selbsternannte Boheme anzieht, die glauben, die Insel gehöre ihnen und nur sie hätten verstanden, was Ibiza ausmacht und wie Ibiza zu sein hat (siehe Kolumne von Beate Wedekind im aktuellen Magazin). Gleichzeitig zieht Ibiza aber weiterhin diese ganz besondere Mischung an Menschen an, die Ibiza seit jeher in ihren Bann gezogen hat und auch künftig nicht loslassen wird: Die Rede ist häufig von den Künstlern, Intellektuellen und Kreativen. Ich würde diesen Kreis weiter fassen, und von Menschen sprechen, die unabhängig von Herkunft, Beruf und Einkommen vor allem Weltoffenheit, Toleranz und Respekt verbindet. Kosmopoliten nennt man diese Spezies, die Ibiza so besonders macht. Und dazu zählen, ganz wichtig, auch die Einheimischen! „Kosmopolitismus […] ist eine philosophisch-politische Weltanschauung, die den ganzen Erdkreis als Heimat betrachtet. Das Konzept geht auf die Antike zurück. Es steht im Gegensatz zum Nationalismus und Provinzialismus“ lautet die Definition auf Wikipedia. Das ist der Stoff, aus dem Ibiza gemacht ist. Und das sind die Attribute, die mich zuversichtlich machen, dass „mein“ Ibiza auch die aktuellen Fehlentwicklungen überdauern wird und „mein“ Ibiza bleiben wird.

In diesem Sinne lassen Sie uns optimistisch, tolerant und vor allem respektvoll sein – und ebenso mit unserer geliebten Insel umgehen.

 

Herzlichst

Ihr Marcel Brunnthaler

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