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Samstag, September 19, 2020
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Sven on Tour – Ende der Reise

Sven on Tour, Tag 21 – Sorgen-Moment

Zwei Seiten dieses Sonntags: Ein Ibiza-Umwanderer ganz bei sich selbst – und Freunde in Sorge. Nachdem Sven gestern von Es Vedrà zurück in die Cala d’Hort gepaddelt ist, brach der Kontakt ab. Komplett. Normalerweise bekomme ich mehrfach am Tag Nachrichten. Abends dann noch ein Sammel-Update und morgens, so gegen sechs Uhr, die ersten Mittelungen des Tages.

Gestern… Nichts.

Klar, es gibt einfach Momente, die braucht ein Mensch für sich. Svens Wanderung bewegt ihn nicht nur über die Insel – sondern auch viel in ihm. Letztendlich ist das ja auch der Sinn. Zu sich selbst finden, den alles überdeckenden Alltag verbannen, die wirklichen eigenen Bedürfnisse entdecken. Und dann damit klarkommen. Das Leben, die Zukunft – alles wird plötzlich in Frage gestellt.

Besonders nach den vergangenen beiden Tagen hat es mich also nicht überrascht, dass es eine Funkstille gab. Aber als auch bis zum späten heutigen Morgen das Handy nichtmal erreichbar war, begann ich mir doch Sorgen zu machen. Und nicht nur ich. Auch Svens Lieben bereiteten sich innerlich schon auf eine Suchaktion vor.

Spannendes Rand-Ereignis: Ein Löschflugzeug nutzte die ruhige See vor der Cala d’Hort zum Training: Wasser wurde im Tiefflug aufgenommen, um es dann wieder überm Meer abzulassen

Wie schnell ist der falsche Schritt gemacht. Ibizas Klippen sind steil. Es ist noch nicht lange her, dass die Rettungskräfte, genau hier, im Bereich der Cala d’Hort tagelang nach einer vermissten Frau suchten. Sie fanden ihren Körper schließlich in einer Felsspalte…
Gegen zehn Uhr summte dann mein Smartphone: „Der Teilnehmer ist wieder erreichbar“! Alles gut. Sven hat sich, entgegen der Änderung der Änderung des nicht wirklich vorhandenen Plans, doch entschieden, oberhalb von Es Vedrà zu bleiben. „Auf der kleinen Insel hast du vollen 4G-Empfang“, erklärt er mir im anschließenden Telefonat. „Und hier an Land, in den Hügeln an der Klippe – nichts.“ Erst heute Morgen, kurz vor Es Cubells, zeigte sein Handy wieder die Balken, die die Welt-Vernetzung bedeuten.

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Sven ist zeitig losgelaufen, um der Tageshitze zu entgehen. In der versteckt liegenden Cala Llentrisca gab es eine Erfrischung. Dann geht es bis Mittag weiter, mindestens bis Es Cubells und zu der Klause von Pere Palau, desselben Paters, der auch auf Es Vedrà eine Weile ein Einsiedlerleben führte. Möglichst aber sogar bis Porroig.

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Irgendwo dort holt Freund René ihn ab, Der wohnt im Salinen-Gebiet und bietet Sven damit eine perfekte Basis für die Strecke zwischen Porroig und Platja d’en Bossa.

Sven on Tour, Tag 22 – Geborgenheit

Bei allen Begegnungen mit zahllosen Menschen auf so einer langen Wanderung – man verbringt viel Zeit mit sich allein. Und dann kriechet es doch irgendwann hoch, dieses Gefühl des Allein seins, vielleicht sogar Verloren seins.

Auch das ist ein wichtiger Teil eines solchen Unterfangens. Es gehört zu dem Prozess, der in Gang kommt. Nicht umsonst laufen die Menschen. Überall auf der Welt. Berühmtestes Beispiel für uns Europäer ist der Jakobsweg, längst mehr Selbstfindungs-Tour als religiöser Pfad. Auch der Coast Path rund um England ist berühmt, ganz ohne religiösen Hintergrund.

Sven steckt mitten drin. Und so wurde der eigentlich geplant kurze Stopp in Es Cubells, an der Klause von Pere Palau, zu einem gut zweistündigen Innehalten in Stille.

Zurück ins Hier und Jetzt holte ihn Metje, Renés Frau. Deren Haus im Salinengebiet ist Svens Basis, bis er morgen Ibizas Inselhauptstadt in Angriff nimmt. Mit Metje ging es aber nicht direkt zu den Salzbecken, sondern nach Sa Caleta. An den kleinen Strand, wo die drei Sprösslinge des Paares bereits warteten.

Es wurde ein Tag mit Kinderlachen und dem Gefühl der Familiären Geborgenheit. Unbeschwert, ohne Gedanken-Karussell. Bis in den Abend hinein. Nach der traditionellen Sonntags-Live-Session – wer sie verpasst hat, kann auf Facebook, bei Sven Puch, das Video auch jetzt noch sehen – wurde gemeinsam familiär-improvisiert gekocht. Und viel gelacht.

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Heute ging es für Sven früh weiter. Es wird mit jedem Tag heißer. Selbst die Morgensonne macht körperliche Anstrengung schon zur Herausforderung. Und davon hat unser Insel-Umwanderer heute reichlich. Es geht über das bis 144 Meter hohe Cap d’es Falco. Startpunkt, bei Es Codolar, ist Meereshöhe. Endpunkt auch, an der Salz-Verladestation Sa Canal. Danach wandert er entlang des Strandes von Ses Salines zum Wehrturm Punta de ses Portes.
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Der Bereich ist wieder sehr interessant, denn – wie auch in Atlantis: Die Küste besteht aus Sandstein. Und der wurde nicht nur als Baumaterial abgebaut. Viele Kreative ritzten (und ritzen) wahre Kunstwerke in die Klippen. Außerdem liegt genau vor dem Turm die Insel der Gehängten – Es Penjats. Hier fanden vor vielen, vielen Jahren einige Verbrecher den Tod. Die Geschichte erzählt von einer Gruppe Verurteilter, die zum Sterben dort abgesetzt wurde. Einer von ihnen sollte seine Komplizen an die Galgen knüpfen. Dafür würde ihm das Leben geschenkt. Als die Wachleute zur Insel zurückkehrten, hingen sie alle…

Die heutige Etappe spielt die gesamte Emotions-Klaviatur: Körperliche Anstrengung, entspannende Natur, tief berührende Ausblicke. Adrenalin am Abgrund. Luxus und Sexyness am Strand, Kreativität und geschichtliche Qualen an den Steinbrüchen. Eine Menge Nahrung für das Unterbewusstsein.

Von Es Cavallet aus geht es zurück zu René, Metje und den Kids. Eigentlich ist Sven heute also nur „eine Runde ums Haus“ gelaufen…

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Sven on Tour, Tag 23 – Kultur-Schock

Drei Wochen, bestimmt durch Stille und Natur. Sicher können nur ganz wenige von uns nachfühlen, was das in einem verändert. Aber versuchen können wir es zumindest: Wie sich der gesamte Organismus umstellt, das Geräuschempfinden, die Wahrnehmung von geschäftlicher Betriebsamkeit, Hektik. Und auch die Wahrnehmung dessen, was zählt.

Und dann: Ses Salines, Platja d’en Bossa, die Inselhauptstadt Eivissa!… !!… !!! Ungefähr so muss sich das anfühlen.

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Sven saugt jeden Meter seiner Insel-Umwandrung in sich auf. Es geht ja auch darum, „seine Insel“ aus allen Perspektiven intensiv zu erleben. Aber der Schnitt, mit dem Betreten der Glamour, Urlaubs und Geschäftswelt, ist nach so viel Stille schon ein echter Kultur-Schock.

Vom Cap des Falcó, durch das romantische Salzverlade-Örtchen Sa Canal ging es gestern direkt an den Szene-Strand schlechthin. Auch ohne die Massen der Reichen und Schönen, die eigentlich jetzt hier dicht an dicht sehen und gesehen werden wollen, gab Ses Salines seine Visitenkarte standesgemäß ab.

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Beso Beach

Als Ziel für die erste Pause wählte Sven den Beso Beach Club, ehemalig Malibu. Das Malibu war „vor zigtausend Jahren, im ersten Jahr meines Ibiza-Aufenthaltes, einer meiner Lieblingsorte mit meiner Liebsten“, erzählt er. Der Versuch, gedanklich in die Vergangenheit zu reisen, wurde jedoch von der Schickimicki-Realität überstrahlt. „Und das hat ja auch seine Berechtigung. Auch das ist Ibiza – unheimlich gut aussehende Kellner, schicke Frauen, krasse Musik“. Also: Zurücklehnen und die Show genießen.

Und die sollte sich noch steigern: René sammelte Sven ein und nahm ihn mit in die Platja d’en Bossa: Essen, einkaufen – Managen. Denn der Tiroler ist vielbeschäftigt. Er führte Gastrobetriebe in der Bossa und in Berlin, leitet auch jetzt, von der Insel aus, weiter seine Geschäfte in der deutschen Hauptstadt. Multitasking vom Feinsten: Einkaufen für die Familie, am Telefon die unter Druck stehenden Geschäfte auf Kurs halten, Motivieren, sich gleichzeitig mit Sven beschäftigen und Mittagessen. Alles mit guter Laune und voller Aufmerksamkeit für jeden einzelnen seiner Gesprächspartner und jede Tätigkeit.

Nach dem Overload war Sven nicht undankbar, wieder am Salinas-Strand abgesetzt zu werden. Vorbei an den Strand-Schönheiten zur landschaftlichen Schönheit des Wachturmes und weiter nach Es Cavallet.

Mimi und Andrea – Ses Salines bietet Schönheit auf viele Arten

Wie sagt der Spanier: Die Welt ist ein Halstuch. An dem langen, feinen Strand holte ihn eine Stimme aus den sich gerade wieder beruhigenden Gedanken: Cathy. Sie erinnern sich? Die junge Frau mit dem Cowboy-Hut, die Sven am dritten Tag seiner Tour in der Cala de Boix kennenlernte. Sie hat ein Restaurant in Eivissas Altstadt. In der Cala de Boix hatte sie Sven schon dorthin eingeladen. Smalltalk halt. Doch jetzt? Mit dieser erneuten Begegnung und quasi vor den Toren der Inselhauptstadt? Als sei’s so vorgesehen…

Damit er sich auch um das Drumherum keine Gedanken machen muss, hat der Zufall ihm gleich auch noch ein Bett im alten Viertel Sa Penya beschert, direkt unterhalb der Festung. Der perfekte Ausgangspunkt für einen Abend, der kaum ein stärkerer Kontrast sein könnte, zu den vergangenen drei Wochen. Spannend, aber sicherlich anspruchsvoller als alle Berg-Etappen.

Sven on Tour, Tag 24 – zwischen den Welten

Viele Geschenke, die wir bekommen, erfreuen uns einfach. Einige machen uns aber auch nachdenklich, bedrücken uns vielleicht sogar. Meistens werden diese Geschenke nicht bewusst gemacht. Es sind vielmehr zufällige Ereignisse, die zu Geschenken werden. Zu besonders wertvollen. Weil sie uns menschlich weiterbringen. Sven wurde gestern ein solches zuteil. Das Privileg, hinter die schönen Fassaden von Ibizas Altstadt blicken zu dürfen. Er fand dort Licht… und dunkle Schatten.

Gassen, in die sich keine Touristen verirren. Auch die wenigsten Insulaner kennen sie. Den Ruf dafür um so besser. Ins sogenannte „Zigeunerviertel“ Sa Panya traut sich bis heute kaum jemand. Aber genau dort stand vergangene Nacht Svens Bett. In seinem Morgen-Video bekommen Sie, liebe Leser einen Eindruck davon, wie sehr er mit den vergangenen Stunden zu kämpfen hat.

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Der Tag verlief mit vielen schönen Momenten: Morgens lief Sven von Es Cavallet bis in die Platja d’en Bossa und zur Inselhauptstadt. Mittagessen gab es mit René und dessen Familie in der Bar Flotante, der von Einheimischen wie auch Insel-Besuchern gleichermaßen geliebten Pinte direkt am Wasser der Talamanca.

René lieh Sven anschließend seinen Motorroller, unser Wanderer hob die Füße knatterte durch Ibizas Hauptstadt.

Am Abend ging es zu Gaby. Sie ist, wie viele derer, die Sven in den vergangenen gut drei Wochen spontan ein Nachtlager boten, schon lange tief in Ibizas Erde verwurzelt. In ihr lebt der Geist der unkomplizierten Gemeinschaft noch. In den 70ern erstmals auf die Insel gekommen, bereiste sie die ganze Welt – um sich dann an einem Ort niederzulassen, den viele meiden: Sa Penya.

Kein Ort für Menschen, die es einfach mögen. Einer voller Kontraste, auf die man sich einlassen können muss. Schon der berühmte Architekt und Maler Erwin Broner, Rebell, von den Nazis verfolgt und eine der wichtigen Personen des Bauhaus-Stils, suchte sich dieses Viertel, um hier sein Zuhause aufzubauen. Sein ehemaliges Wohnhaus, das Casa Borner, direkt auf den Klippen am Rande Sa Penyas, ist heute ein offizielles Museum.

Sven wandelte durch ein Ibiza, das er so nicht kannte. Die Calle de la Virgen, die jetzt eigentlich in allen Farben des LGTBI erstrahlen sollte. Die Ende Juni noch verwaiste „Meile“ am Hafen – wo sich jetzt eigentlich Touristen-Massen Musik und Long-Drinks gönnen. Mit der ersten Megayacht am Pier, der 63-Meter langen „Metis“. Aber auch durch den immer lebendiger werdenden Bereich Richtung Paseo Vara de Rey, gipfelnd auf dem Plaça del Parque, wo der Abend gefeiert wurde, als wäre nie etwas gewesen. Und dann: Das Armenviertel, in dem nicht selten der „nächste Schuss“ den Rhythmus bestimmt. In dem immer noch eigene Gesetze gelten. Menschen, Eindrücke, Gespräche und Gedanken, die noch lange nachhallen werden. Und die Sven nicht vergessen wird.

Wie stark wird dann wieder der heutige Kontrast. Von der Talamanca die Küste entlang und über die steilen Hügel. Vorbei an Roca Llisa, bis zur Bucht Sol den Serra, vor der Cala Llonga. Ruhemomente, die Sven jetzt braucht.

Sven on Tour, Tag 25 – am Scheideweg

Für heute Vormittag hatte Sven ein Treffen mit Claire verabredet. Claire gehört zu den Ur-Gesteinen seiner Event-Truppe. Beim gemeinsamen Spaziergang von Cala Llonga nach Santa Eulària wollte er mit ihr über die Zukunft der Truppe sprechen. So, wie er es in unserer Tour-Begleitung am Tag 13 schon mit Ben tat: Gemeinsam über Wünsche und Perspektiven sprechen – Input für spätere Entscheidungen.

Aber…

Sven ging gestern Nachmittag gerade direkt bei Iras Haus vorbei, als das Telefon klingelte. Eigentlich wollte er weiter zum Sonnenuntergang und dann abends erst zu ihr. Obwohl Ira also direkt am Weg lag, war der Stopp jetzt noch nicht vorgesehen. Ben war dran. „Das Cala Llenya-Management möchte uns morgen treffen, um über die Situation zu sprechen und die künftige Kooperation zu verhandeln.“

Mit einer Sekunde ändert sich alles. Kein Sinnieren mehr. Kein später. „Und die drei Menschen, die Schlüsselfiguren in meinem Geschäft sind, sind alle um mich herum…“ Svens Stimme bei unserem Update heute Morgen sprach Bände ohne viele Worte. Er steht genau jetzt am Scheideweg. Es ist der Tag der Entscheidung, den er sich gewünscht hat. Wenn auch nicht so schnell. Zum Überdenken aller Eindrücke ist keine Zeit. Natürlich kann man immer alles irgendwie weiter hinauszögern. Aber das will er nicht mehr. Nicht nach den Erkenntnissen der vergangenen Wochen.

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Heute ist der Tag. Unfreiwillig. Zufällig? Wir alle haben Sven inzwischen einigermaßen kennengelernt. Auch die, die erst beim Start seiner Tour oder währenddessen dazugekommen sind. Er glaubt eher an Fügung als an Zufall.

Er wird heute seinem Gefühl folgen. Und dann einen Weg weitergehen, jeden Schritt mit Leben füllen. Morgen wissen wir mehr…

Sven on Tour, Tag 26 – ein leichter Rucksack

Jeder von uns hat ihn. Den Rucksack mit all dem, was wir mit uns rumschleppen. Leider ist es so, dass im Allgemeinen immer mehr dazu kommt, wir es aber kaum schaffen, alten Ballast abzuwerfen.

Svens Rucksack war am Anfang seiner Insel-Umwanderung voll… Nicht nur der mit seiner Tour-Ausrüstung. Auch der emotionale. Und der drückte deutlich schwerer auf die Schultern als die 30 Kilo Reisegepäck. Weniger, weil Sven sich Sorgen um seine eigene Zukunft machte. Sondern weil er Menschen hat, die über Jahrzehnte beruflich an seiner Seite mit ihm durch dick und dünn gegangen sind. Bereits die vergangenen Jahre waren wirtschaftlich keine Freude mehr. Was dieses Jahr kommen würde – um das vorauszusehen braucht man keine Kristallkugel…

Romantik in Santa Eulària: Der Burg-Hügel Puig de Missa. Hierher führte Sven sein gestriger Weg trotz der beruflichen Treffen

Sven war schon vor dem ersten Schritt seiner Wanderung klar, dass sich vieles ändern wird. Gleichzeitig, dass sich in seinem Leben etwas ändern soll. Aber es ist eben keine Solo-Nummer. Da sind Mitarbeiter im Spiel, die viel mehr als das sind… Es sind Vertraute und Freunde, mit denen er so viel seines Lebens teilt. Da sind auch die Auftraggeber, die sich auf ihn verlassen – aber jetzt selbst ums Überleben kämpfen. Und da sind die, für die er Jahr für Jahr mit dem Team da ist. Kinder und Erwachsene, die durch ihn eine noch schönere Zeit erleben. Denen er in ihrem Urlaub hilft, den heimischen Alltag noch besser zu vergessen. Die er in Fantasiewelten entführt, denen er sportliche Horizonte öffnet. Erfolge beschert, Lachen schenkt. Animation und Entertainment – Pillepalle…? Kann man so und so sehen.

Einfach kündigen kann man das nicht. Sven nicht. Und je näher er dem Ende seiner Wanderung kam, desto mehr drehte sich seine eigentliche Befreiungs-Tour in die Erkenntnis, dass etwas bevorsteht, was er nicht einfach lösen kann: Die Kollision der eigenen Wünsche mit der Verantwortung.

Wenn man ganz ehrlich ist, hat die Tour die Situation sogar verschlimmert. Denn Sven hat für sich herausgefunden, was er will. Und das ist nicht mehr diese Welt des Entertainments. „Ich habe mein Leben immer gesehen, wie eine lange Klassenfahrt“, sagte er mir. „Unbeschwert, spannend, mit viel Blödsinn. Und jetzt ist die Klassenfahrt zu Ende.“ Was hilft es aber, wenn man noch deutlicher sieht, was man will – aber weiterhin in einer Situation gefangen ist? Es hat schon einen Grund, warum viele Menschen solche Konfrontationen mit sich selbst meiden.

Ob der Haken-Schlag ins Landesinnere wirklich eine Romantik-Entscheidung war, oder sich tief in ihm etwas dagegen wehrt, nach Hause zu kommen – wo du nicht mehr weglaufen kannst, lassen wir dahingestellt. Ein Fest für einen Psychologen ist die Tatsache, dass Sven vor einigen Tagen begann, seinen Reise-Rucksack zu leeren. Zelt, Schlafsack, Klamotten – alles blieb auf der Strecke. Jetzt beherbergt er nur noch Unterwäsche, ein T-Shirt, die Kamera und Wasser. Basics, kein Ballast. Svens rationale Erklärung: „Ich weiß ja, dass ich die letzten Nächte bei Freunden unterkomme…“

Wenigstens einen Rucksack kann man ausräumen, wenn das Gewicht des anderen kaum noch tragbar ist.

Vielleicht ist dies das erste Mal, dass Sven mir eine meiner textlichen Begleitungen seiner Reise um die Ohren haut. Bei allem Vertrauen gibt es Grenzen. Sie sind bei uns sehr weit gesteckt, wenn ich die Gedanken hinter seinen Beschreibungen aufgreife und in Worte fasse. Aber irgendwo gibt es die Grenzen dann doch. Ich hoffe, unsere Freundschaft hält das aus.

Warum ich so weit gehe, ist die Tatsache, dass Sven ab heute wirklich mit leichtem Gepäck reist. Denn gestern hat sich alles zusammengefügt: Mit seinem engstem Mitarbeiter und Vertrauten Ben hatte er sich schon in Benirràs getroffen. Der Wunsch, dass Ben das Geschäft übernimmt, ist seitdem immer weiter gewachsen. Mit Claire, die seit 30 Jahren treu neben ihm auf der Bühne steht, ist er gestern Morgen über den Berg gekommen… im physischen und übertragenem Sinne. Und dann kam ja das Treffen mit seinem Auftraggeber, das ebenfalls gestern spontan einberufen wurde. Die Leitung des Cala Llenya Resort bat um das Gespräch, in dem es darum ging, dass die Corona-Situation eine Fortführung der Kooperation in ihrer alten Form nicht mehr zulässt.

„Auf einmal löste sich alles auf“, erzählt mir Sven heute früh. „Ich muss nicht kündigen. Dafür kann ich mich langsam zurückziehen und Ben alles mit frischen Ansätzen in neue Bahnen leiten.“ Der Club behält ein Spitzen-Team. Ben bekommt die Leitung. Und Sven seine Freiheit, einen neuen Weg zu gehen.

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Da werden die Kilometer durch die Landschaften im Landes-Inneren, die er so liebt, zur echten Entspannungs-Tour. Die heute auf dem Hippy-Hügel, gegenüber des Las Dalias Marktes, in einem Abend enden wird, der wirklich im freien Ibiza-Geist lebt.

Was noch fehlt? Rayo natürlich. Wir sind uns wohl alle einig, dass die letzten Etappen in keiner Weise etwas für ihn gewesen wären. Körperlich nicht. Und wir wissen auch alle, dass Tiere ein feines Gespür für die Gefühlswelt ihrer zweibeinigen Familienmitglieder haben. Gut also, dass er das alles in seiner Bett-Kraul-Pension verpasst hat. Ab morgen kann er Herrchen und Land auf den letzten Metern wieder richtig genießen.

Sven on Tour, Tag 27 – Heimkehr auf den Spuren der Vergangenheit

Das Ende einer Reise… Erinnern Sie sich an Ihr letztes? Dieses melancholische Gefühl, wenn der Flieger abhebt? Die Zeit unwiderruflich vorbei ist? Wie muss es sich nach derart intensiven vier Wochen anfühlen, den Schlüssel im Türschloss umzudrehen?

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Sven hätte vorgestern, von der Kirche Santa Eulàrias, einfach heim gehen können. Kaum mehr als zwei Kilometer sind es von dort zu seinem Haus. Eigentlich war die Tour vorbei. Aber durch den Ort laufen, als käme man gerade vom Einkaufen? Die Alltagseindrücke auf den letzten Schritten das Erlebte gleich wieder überdecken lassen? Ein paar Meter, die etwas Großes zu einer gewissen Bedeutungslosigkeit schrumpfen lassen…

Vielleicht war die Entscheidung, ins Landesinnere abzubiegen, die wichtigste für den Wert der gesamten Wanderung. Klar – hinter Sven liegen zwei faktisch lebensverändernde Tage. Aber auch 25 weitere voller Begegnungen, Menschen und Eindrücke. Erlebnisse, die das Bewusstsein auf eine ganz neue Ebene gehoben haben. Es ist so vieles, das seinen Platz finden muss und Raum braucht.

Ibizas Campo, zwischen Sant Llorenç und Santa Eulària, ist Svens Wohlfühl-Zone. Er kennt jeden Stein, kann den Geist frei lassen, sicher begleitet von schönen Erinnerungen. Durch die urige Landschaft von Balàfia ging es zum Mittagessen bei Juanito. Dort, wo Sven schon vor 30 Jahren nach Ausritten das Pferd vor der Tür anband. Und zu Carmen, mit ihrer Tienda und kleinen Kneipe, die fast direkt neben dem edlen Atzaró ibizenkische Tradition und Preise eigentlich vergangener Zeiten bewahrt hat. Vorbei an den alten Brunnen, Obst-Hainen und Melonenfeldern. Bis zu Olaf, mit seinem Hippie Hill, den Sven auch schon drei Jahrzehnte kennt. Entspannender als diese kleine Oase nahe des Las Dalias Marktes geht es kaum.

Heute nimmt Sven langsam Kurs auf die Normalität. Eine Runde über den Las Dalias Markt. Dann Frühstück in der Bar Anita in Sant Carles. Alles Plätze vieler Erinnerungen. Eigentlich sollte Rayo schon wieder an seiner Seite sein. Der hatte gestern, mit seinem Ersatz-Frauchen, aber einen Sobrasada-Unfall: Der Labrador entdeckte beim Spaziergang den Vorrat der würzigen Wurst eines Bauern in dessen offenem Schuppen… Sagen wir mal, es ging ihm heute Morgen noch nicht wieder gut.

Nachmittags werden aber wieder zwei Füße und vier Pfoten unterwegs sein. Zur Cala Pada. Dort hin, wo alles am 1. Juni begann, die Insel-Umwanderung an der Küste offiziell startete. Es wird ein erfrischendes Bad – und ein ruhiger Blick zurück.

Dies ist das Ende der Tour. Aber noch nicht das Ende für uns alle, die Sven begleitet haben. Denn morgen wartet ja der traditionelle Live-Abend. Und den wollen wir alle zusammen feiern: Sie, die nicht auf der Insel sein können, via Facebook. Und alle, die hier sind, die Svens Reise verfolgt haben, die ihm begegnet sind oder sogar Unterkunft boten, persönlich. Im Cala Llenya-Resort – um 21 Uhr geht es los. Mehr Details gibt’s morgen Vormittag hier, wie gewohnt bei www.ibiza-heute.de

Sven on Tour, Tag 28 – angekommen um weiterzugehen

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Eine wichtige Nachricht vorab: Eigentlich hatte Sven geplant, heute Abend, um 21 Uhr, die Tour bei einem großen „come together“ im Cala Llenya Resort zu beenden. Live auf Facebook für die virtuellen Begleiter, die nicht auf der Insel sein können. Und hautnah zusammen mit allen, die hier sind, denen er auf der Tour begegnete und die seine Schritte in unserem Wander-Tagebuch mitgingen. Leider muss das verschoben werden, das Resort steckt zu tief in den Öffnungsvorbereitungen. Natürlich gibt es den neuen Termin rechtzeitig hier bei uns, auf www.ibiza-heute.de. Und so gibt es heute wieder das kultige Kammerkonzert – wie gewohnt um 19 Uhr. Zurück in Svens Wohnzimmer, live bei Facebook: Sven Puch.

Sven ist angekommen. Zu Hause, vor allem aber bei sich selbst. Und das Zuhause kommt ihm jetzt sehr klein vor. Klar ist, die Insel-Umwanderung ist zwar zu Ende, sein Weg hat aber gerade erst begonnen. Wo er hin führt? Das werden die nächsten Tage, vielleicht Wochen zeigen, wenn all die Eindrücke und Erkenntnisse sich setzen. Sven hat eine neue Freiheit gefunden. Wozu er sie nutzt… Wir werden es erfahren.

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Für Sie, liebe Leser – und Sven, für dich: Hier nochmal 28 Tage in 28 Bildern. Klicken Sie auf das erste kleine Bild und gehen Sie mit den Pfeilen am Bildrand auf die Reise.


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Ihr Thomas Abholte

 

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